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Wie viel Raum braucht Spielraum?

 

Foto von Joel Filipe auf Unsplash

 
 

Alle am neuen Projekt beteiligen? Wunderbar! Dann kriegen wir viele Perspektiven und Expertenmeinungen, neue Anregungen und Ideen, frischen Wind und alle wollen Verantwortung für das neue Vorhaben übernehmen. Klingt super, wo fangen wir an? 

Beteiligung gestaltet sich oft schwieriger als gedacht, weil so vieles zusammenkommt. Einerseits ist sie unerlässlich für Erfolg und Entwicklung eines Unternehmens, dass das Expertenwissen der eigenen Mitarbeitenden schätzen, nutzen und Zusammenarbeit leben will. Auf der anderen Seite steht die Komplexität, die damit einhergeht, wenn vielen Ideen und Meinungen im Anschluss dann die Umsetzung folgen soll. Ein Unternehmen muss handlungsfähig bleiben, indem es die Komplexität in einem angemessenen Rahmen hält, aber gleichzeitig den wertvollen Input der Mitarbeitenden nutzen kann, um sich weiterzuentwickeln. Hier stellt sich die wichtige Frage nach dem Spielraum, den Beteiligung überhaupt bekommt und es lohnt sich einen genaueren Blick darauf zu werfen, welche Faktoren dazu beitragen können, dass dieser sporadisch ausfällt, oder gar nicht wirklich da ist. 

Der Grad der Beteiligung 

Wenn man Beteiligung hört, denkt man direkt an Initiative, Motivation und viele helfende Hände, die sich die Arbeit teilen. Diese intuitive Interpretation hat mit der des Dudens, der Beteiligung als „das Teilnehmen; das Sichbeteiligen; Mitwirkung“ definiert, gemeinsam, dass es eine aktive Rolle des Individuums, welches beteiligt ist, impliziert.  

  • Somit steht es Prozessen, die informieren, oder Anweisungen kommunizieren sollen gegenüber, bei denen die „beteiligte“, (sagen wir lieber anwesende oder zuhörende) Person eine passivere Rolle spielt.  

  • Ein wenig aktiver wird es, wenn man dazu übergeht zu interagieren, allerdings hat eine interaktive Veranstaltung immer noch nicht zwingend die Mitgestaltung zur Folge, sondern dient in vielen Fällen eher der Inspiration, Beschäftigung mit dem Thema oder als Raum für Fragen.  

  • Auf der Ebene der Partizipation ist hingegen echte Mitgestaltung gefragt. 

  • Wenn es um Co-Creation geht, fließt mindestens Eigenverantwortung mit ein.  

  • Kommt man schlussendlich bei Co-Ownership an, spielt sogar Eigentümerschaft eine Rolle. Diese Unterscheidung verdeutlicht, dass echte Beteiligung nur dann vorliegen kann, wenn Menschen wirklich Einfluss auf etwas nehmen können, sonst sprechen wir von Scheinbeteiligung.  

Der bereits erwähnte Spielraum, der dem Einfluss der Mitarbeitenden gegeben wird, ist also ausschlaggebend dafür, ob und wie Beteiligung funktionieren kann oder nicht. Er beschreibt den Bereich, in dem Mitarbeitende Entscheidungen treffen, eigene Vorschläge einbringen oder Prozesse mitgestalten können und ist selten zufällig, sondern bereits in der Unternehmensstrategie festgelegt. Hier sind ausschlaggebende Stellschrauben zu finden, die ihn maßgeblich bedingen; 

Zeitdimension 

Um herauszufinden, wo, wann und in welchem Rahmen Beteiligung stattfinden soll, ist es zunächst wichtig zu wissen, wann an welchen Fragestellungen gearbeitet wird, wie diese mit Budgetierung, internen Rhythmen und Kommunikationsfrequenzen verknüpft werden/sind und wie häufig und in welchem Turnus, strategische Orientierungspunkte überprüft werden sollen. 

Sozialdimension 

Wer soll überhaupt an dem Vorhaben mitwirken? Wie geht man mit Gruppendynamiken um und welchen Raum bekommen Konflikte und Machtthemen? Am Ende sollte die soziale Entscheidungsfähigkeit so realisiert werden, dass Hierarchieebenen trotzdem berücksichtigt werden.

Sachdimension 

Welche Analyseinstrumente und Methoden-Sets helfen und passen hier am besten? Welche Expertise ist unerlässlich und woher können Impulse stammen? Wichtig ist ebenfalls die Frage nach dem Maß genutzter Datenanalyse. Wann verlässt man sich auf Daten und wann auf Intuition? 

Ein Bewusstsein über diese drei Dimensionen, ein Blick in die eigene Strategie und Anpassungen dieser sind beim Vorhaben Gestaltungsspielräume zu schaffen unerlässlich, weil es Antworten auf die Fragen bietet, an welchen Stellen Mitgestaltung durch Mitarbeitende erwünscht und entwicklungsfördernd ist und wann der geeignete Zeitpunkt dafür ist.  

Die Schlussfolgerung: Echte Beteiligung entsteht also nicht durch Kommunikation oder Interaktion alleine. In komplexen Systemen wie Organisationen muss der Spielraum für Beteiligung durch Strategiearbeit aktiv geschaffen und verteidigt werden. Im Anschluss erst folgt eine transparente Kommunikationsweise und ermöglicht so, dass Mitarbeitende (eröffnete) Angebote zur Mitgestaltung in Anspruch nehmen können. 

Ebenfalls ermöglicht die Transparenz über den vorhandenen Spielraum für Betroffene erst Eigeninitiative zu ergreifen und sich erfolgreich dort zu beteiligen, wo ihr Mitwirken erwünscht und zielführend ist. Denn ohne das Wissen über bestehende Möglichkeiten und das Vertrauen, dass die eigenen Ideen überhaupt als wertvolle Ressource geschätzt werden und Raum finden können, verpuffen Aufrufe zur Eigeninitiative und Verantwortungsübernahme im Nichts. So läuft eine mangelnde Einbettung des (kollektiven) Gestaltungsspielraums in die Strategie schnell Gefahr sich zu rächen: Wer nach Partizipation fragt und dann ausschließlich bereits gefallene Entscheidungen bekannt gibt, oder zu Diskussionen einlädt, riskiert Missvertrauen und Enttäuschung aller Betroffenen. Ein klarer Fall von Scheinbeteiligung, die man möglichst vermeiden sollte. Einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema gibt es übrigens hier.

Am Ende sollte man also hinterfragen, ob die interaktiven Formate die abgehalten werden auch wirklich Möglichkeit zur Mitgestaltung bieten und sich darüber klar sein, was man mit einer Zusammenkunft bezwecken möchte. Wer nur Informationen bekannt geben möchte, bewahrt seine Integrität am besten durch Ehrlichkeit und das Zutrauen, das Entscheidungen akzeptiert werden können. Ein Unternehmen das die Kompetenz seiner Arbeitskräfte würdigt und sie als mündig wahrnimmt, tut auf lange Sicht gut daran, die eigene Strategie zu hinterfragen und aktiv anzupassen um den Raum für die Beteiligung und Eigeninitiative freizulegen und sie fortwährend durch Transparenz zu erhalten. 

Quellen:

Der Grad der Beteiligung - Kommunikationslotsen

Veröffentlicht am 25. August 2026

 
 

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