Praxisbeispiele

Gemeinsam stärker: Automobilhersteller und Zulieferer auf dem Weg zur vertrauensvollen Zusammenarbeit

 
 
 

Ausgangssituation 

Ein großer, deutscher Automobilproduzent und einer seiner strategischen Zulieferer arbeiteten seit vielen Jahren zusammen. Die Zusammenarbeit war formal gut organisiert, inhaltlich jedoch stark funktions- und bereichsgetrennt. Einkauf, Entwicklung, Qualität, Logistik und Projektmanagement kommunizierten überwiegend über formale Kanäle, häufig reaktiv und unter Zeitdruck. 

Typische Herausforderungen waren: 

  • Fachbereiche arbeiteten entlang ihrer eigenen Ziele und KPIs 

  • Missverständnisse an den Schnittstellen führten zu Reibungsverlusten 

  • Probleme wurden oft eskaliert, statt gemeinsam gelöst 

  • Auf persönlicher Ebene kannten sich die Mitarbeitenden kaum 

Die Zusammenarbeit funktionierte – aber sie schöpfte ihr Potenzial bei Weitem nicht aus.
 

Zielbild 

Ziel war es, die Zusammenarbeit systematisch von der Organisationsebene in die Fachbereiche zu tragen und dort echte, belastbare Arbeitsbeziehungen aufzubauen. Nicht abstrakte „Organisationen“ sollten miteinander arbeiten, sondern Menschen mit klaren Rollen, Verantwortlichkeiten und einem gemeinsamen Verständnis. 

Konkret: 

  • Aufbau tragfähiger Beziehungen zwischen den jeweiligen Fachbereichs-Pendants 

  • Etablierung eines offenen, sicheren Dialograums über Unternehmensgrenzen hinweg 

  • Schrittweise Entwicklung von Vertrauen, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung 

  • Langfristige Steigerung von Produktivität und Innovationsfähigkeit 

 
Vorgehen – Schritt für Schritt über mehrere Jahre 

1. Arbeit mit klar definierten Fachbereichs-Pendants 

Zu den regelmäßigen gemeinsamen Terminen kamen gezielt Vertreter aller relevanten Fachbereiche – und zwar immer gemeinsam mit ihren direkten Pendants der jeweils anderen Organisation: 

  • Entwicklung ↔ Entwicklung 

  • Einkauf ↔ Vertrieb / Key Account 

  • Qualität ↔ Qualität 

  • Logistik ↔ Supply Chain 

  • Projektmanagement ↔ Projektmanagement 

Dieses Prinzip war zentral: 
Nicht „wir gegen die anderen“, sondern „wir gemeinsam für das gleiche Thema“. 

So konnten Themen dort bearbeitet werden, wo sie tatsächlich entstehen – nah an der Praxis, mit Entscheidungskompetenz und fachlicher Tiefe. 

2. Sorgfältige Vorbereitung: „Was brennt gerade wirklich?“ 

Vor jedem Treffen wurde bewusst Zeit in die Vorbereitung investiert: 

  • Einzelgespräche mit Vertreter:innen beider Seiten 

  • Sammlung aktueller Spannungsfelder, Reibungspunkte und offener Fragen 

  • Gemeinsame Priorisierung: Welche Themen sind aktuell am kritischsten für die Zusammenarbeit? 

Dadurch entstand von Anfang an ein hoher Nutzen für die Teilnehmenden: 
Die Workshops behandelten reale Herausforderungen – keine theoretischen Übungen. 

3. Strukturierte Dialogformate zwischen den Pendants 

In den gemeinsamen Terminen arbeiteten die Fachbereichs-Paare in moderierten Formaten zu Fragen wie: 

  • Wo läuft unsere Zusammenarbeit gut – und warum? 

  • Wo verlieren wir Zeit, Energie oder Qualität? 

  • Was erwarten wir konkret voneinander? 

  • Welche Annahmen oder Vorurteile stehen uns im Weg? 

Diese Gespräche waren bewusst gleichzeitig sachlich und persönlich. 
Neben Prozessen und Abläufen ging es auch um: 

  • Kommunikationsstile 

  • Entscheidungslogiken 

  • Umgang mit Fehlern und Unsicherheit 

Gerade diese Ebene machte den Unterschied. 

4. Langsamer, aber nachhaltiger Aufbau von Vertrauen 

Ein entscheidender Faktor war die Regelmäßigkeit über mehrere Jahre. 
Durch die 1–2 gemeinsamen Treffen pro Jahr: 

  • trafen sich immer wieder dieselben Menschen 

  • konnten Themen weitergeführt statt nur angerissen werden 

  • wurde Verlässlichkeit erlebbar („Wir kommen wieder zusammen“) 

Mit jedem Termin wuchs: 

  • das gegenseitige Verständnis 

  • die Offenheit, auch kritische Punkte anzusprechen 

  • die psychologische Sicherheit, Fehler, Zweifel oder Risiken offen zu benennen 

Was anfangs noch vorsichtig und abwartend war, entwickelte sich Schritt für Schritt zu ehrlicher, direkter Zusammenarbeit auf Augenhöhe. 

 

Wirkung & Ergebnisse 

Nach mehreren Jahren der Begleitung zeigten sich klare Effekte: 

  • Hohe psychologische Sicherheit 
    Fachbereichs-Pendants konnten Probleme frühzeitig ansprechen, ohne Schuldzuweisungen oder politische Konsequenzen zu fürchten. 

  • Deutlich höhere Produktivität 
    Abstimmungen wurden schneller, Eskalationen seltener, Lösungen pragmatischer. 

  • Tiefe, persönliche Arbeitsbeziehungen 
    Die Beteiligten wussten, „wen sie auf der anderen Seite anrufen können“ – auch außerhalb formaler Prozesse. 

  • Gemeinsame Innovationskraft 
    Durch das gewachsene Vertrauen entstanden neue Ideen und Lösungsansätze, die zuvor undenkbar gewesen wären. 

 

Fazit 

Dieses Projekt zeigt: 
Nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Automobilhersteller und Zulieferer entsteht nicht durch einzelne Workshops oder neue Prozesse – sondern durch kontinuierliche Beziehungsarbeit zwischen den richtigen Menschen

Indem wir über Jahre hinweg die relevanten Fachbereiche und ihre Pendants zusammengebracht, vorbereitet, moderiert und begleitet haben, konnte sich eine Zusammenarbeit entwickeln, die heute von Vertrauen, Offenheit und gemeinsamer Verantwortung geprägt ist – und damit messbar erfolgreicher und innovativer ist als zuvor. 

 

Projektteam: Tabea, Silke und Christoph