Worauf fokussieren wir uns als Team? Ein Werkzeug zur Ausrichtung

von Yassin Mahr

Neue Ziele setzen, Altlasten hinter sich lassen, Energie fokussieren und positiv in die Zukunft blicken – der Jahreswechsel ist der ideale Anlass, um das eigene Ich zu hinterfragen und Veränderungen in Angriff zu nehmen. Aber auch Teams in Organisationen sollten diesen Anlass zur Reflexion nutzen, um gestärkt in das neue Jahr zu starten.


 

Ein sehr nützliches Werkzeug hierfür ist der TEAM-KOMPASS. Ursprünglich kommt das Werkzeug aus dem Coaching und findet Anwendung zur Reflexion des Rollenverständnisses und -verhalten von Führungskräften.

Wir haben die Logik des ausrichtenden Kompass auf Gruppen übertragen und arbeiten selbst in unseren eigenen Zukunftskonferenzen sehr gerne damit. Was es mit den vier Himmelsrichtungen des TEAM-KOMPASSES auf sich hat, wird im folgenden Abschnitt näher erklärt.

 

Die Himmelsrichtungen

  • Norden: Fokussierung

In diesem Feld wird die Frage beantwortet, was überhaupt alles zu der Rolle des Teams gehört. Die Prioritäten und damit zusammenhängende Aufgaben des Teams werden hier gesammelt. Aus der internalen Perspektive wird die Frage gestellt: „Welche Erwartungen haben wir an uns selbst“, aus der externalen „Was wird von uns erwartet?“.

  • Osten: Delegation und Abgrenzung

Hier wird die gegensätzliche Frage zum Norden gestellt: Was gehört nicht zu unserer Rolle? Alles, was delegiert und abgegrenzt werden kann, wird in diesem Feld zusammengetragen. „Wozu wollen wir uns abgrenzen“ lautet die Frage aus internaler Sicht und aus externaler Sicht ist von Bedeutung, was von anderen an uns herangetragen wird.

  • Süden: Verstärkung

„Was stärkt uns?“ lautet die Kernfrage dieses Feldes. Die Fragen, wodurch wir als Team intrinsisch motiviert werden und woher wir Bestätigung und Feedback bekommen werden hier beantwortet. Auch dies kann sowohl aus interner Sicht (welche Ressourcen haben wir intern?) oder aus externer Sicht (welche externen Ressourcen “zapfen wir an”?) betrachtet werden.

  • Westen: Veränderung

Hemmende Faktoren und zu verändernde Umstände werden in diesem Feld gesammelt. Welche inneren (persönlichen) und welche äußeren Faktoren behindern uns als Team?

 

Der TEAM-KOMPASS in der Praxis

In einer moderierten Team-Session wird der TEAM-KOMPASS bearbeitet. Die Session kann 90 Minuten oder mehrere Tage dauern. Je nachdem wie tief und grundsätzlich die Gruppe diskutieren möchte und wie sich die aktuelle Situation darstellt. Dies wird in der Auftragsklärung festgelegt.

Der Workshop wird in vier Schritten durchgeführt:

1. Schritt: Einstimmung

Im ersten Schritt wird geklärt, was der TEAM-KOMPASS überhaupt ist, wie man ihn anwendet und welche Ziele mit diesem Tool verfolgt werden.

2. Schritt: Sammlung

Die vier Felder des Rollenkompasses werden nacheinander ausgefüllt, Verständnisfragen geklärt und Themencluster gebildet.

3. Schritt: Rundumblick und Interpretation

Die Ergebnisse werden betrachtet, bei Bedarf ergänzt und anschließend interpretiert.

4. Schritt: Ableitung von Konsequenzen

Der letzte Schritt besteht daraus, dass das Team nach der Interpretationsphase Konsequenzen ableitet. Hierbei kann es sich um konkrete Aufgaben handeln, die in der Diskussion entstanden sind, oder es sind Entscheidungen zu treffen usw.

 

Doch wozu das Ganze?

Als Team verbringt man viel Zeit gemeinsam, tauscht sich aus und feilt an Ideen. Doch selten nimmt man sich bewusst die Zeit, über die essenziellen Fragen, die im TEAM-KOMPASS gestellt werden, Gedanken zu machen und zu sprechen. Sich gemeinsam den eigenen Standpunkt bewusst zu machen, in alle Richtungen zu schauen und festzulegen, wer wir eigentlich sind und wer nicht, was uns stärkt und was uns schwächt, kann enorm dabei helfen, sich neu zu justieren, den Blick fürs Wesentliche nicht zu verlieren und – nicht zuletzt – als Team zusammenzuwachsen.

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