Werte bewegen. Verzichten

von Ruth

„Darauf kann ich gut verzichten!“ – hast du den Klang dieses Satzes schon im Ohr? Ich bin mir gar nicht sicher, welches sprachliche Stilmittel es genau ist, das wir da in der deutschen Sprache verwenden. Jedenfalls bin fast sicher, dass du den Ausspruch kennst.

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Was fällt dir als erstes ein, wenn du das Wort „verzichten“ liest?

Mir fiel zuerst die Fastenzeit ein, danach Zucker, Fleisch und Plastik. Beim zweiten Lesen fällt mir auf, dass ich ausschließlich an „Dinge“ dachte.

Wenn man die eigentliche Wortbedeutung von „Verzichten“ nachschaut, geht es vor allem darum, den Anspruch auf etwas nicht (länger) geltend zu machen. Der Begriff wird also auch im Zusammenhang mit rechtlichen Fragen verwendet. Besonders spannend wird es dann, wenn ein rechtlicher Anspruch mit einem Wert in Konflikt gerät. Ist es beispielsweise in Zeiten von Corona wichtiger den eigenen Anspruch auf das Grundrecht der Freiheit geltend zu machen oder, stattdessen, sich für Solidarität zu entscheiden, damit besonders gefährdete Menschen geschützt werden?

Wenn Verzichten in zwischenmenschlichen Situationen handlungsleitend ist, kann dadurch ein Wert „lebendig“ werden – Solidarität, Rücksichtnahme, Toleranz... Diese „lebendigen Werte“ haben direkten Einfluss auf unser menschliches Miteinander. Sie bestimmen, was ich lebe. Plötzlich stehe ich nicht selbst im Fokus meiner Handlung. Mit meiner Handlung achte ich auf andere Menschen.

Verzichten hat damit auch eine wertvolle Bedeutung für Gruppen oder Teams im Kontext von Arbeit. Negatives Feedback, ironische Kommentare, Schubladendenken – dir fällt sicher auch noch anderes ein. Vermutlich kommen dann häufig die Verhaltensweisen oder Sätze der anderen im Team in die eigenen Gedanken. Hast du schon wen im Kopf?

Blöd (aber irgendwie auch ziemlich gut) ist, dass du die anderen nicht ändern kannst. Du kannst nur bei dir selbst anfangen. Verzichten ermöglicht es dir wertvoller für dein Team zu werden. Das Miteinander positiv zu beeinflussen und mitzugestalten.

Auf etwas verzichten zu können heißt vielleicht auch, dass man zunächst einmal einiges „besitzt“. Möglichkeiten. Status. Wissen. Talent. Eloquenz. Erfahrung. Macht. Das zeigen wir manchmal gerne. Und das ist auch gut so! Manchmal kann es aber auch wichtig sein anderen den Vortritt zu lassen. Dadurch bekommen sie die Möglichkeit ihr Potenzial zu entfalten. Verzichten schafft dadurch ein wertvolles Miteinander.

Auf was möchtest du diese Woche verzichten? Oder anders gefragt: auf was kann dein Team diese Woche wirklich gut verzichten?

Was fällt dir als erstes ein, wenn du das Wort „verzichten“ liest?

 

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