Werte bewegen. Teilen

von Ruth

Das Wetter ist so richtig schön heute, deshalb gehe ich am späten Nachmittag raus – da ist weniger los auf den Straßen und Wegen. Physical distancing in Corona-Zeiten. Auf den Ohren läuft ein Podcast. Immer wieder gibt es Aussagen, bei denen ich innerlich kurz anhalten und weiterdenken möchte:

“...alle spüren das Gleiche…”

“...es ist jetzt einfach keine Zeit für Coolness mehr...”

“...wir müssen mit offenen Karten spielen wie es jedem geht. Und das können wir nicht...”

Ein Wert zieht sich für mich wie ein roter Faden durch das, was es da für mich auf die Ohren gibt: Teilen.

Wenn wirklich gerade alle das Gleiche spüren, wenn es jetzt nicht mehr darum geht eine Fassade aufrechtzuerhalten, sondern die Karten offen auf den Tisch zu legen, dann geht es vor allem darum zu teilen. Anders als beim Klopapier.

Aber wie ist es mit dem, was wir spüren? Mit dem, was in uns ist? Emotionen, die wir empfinden und Gedanken, die wir uns machen?

Bei der Videokonferenz laufen Kinder durchs Bild, das Regal im Homeoffice wird sichtbar, wie auch unsere liebste Kaffeetasse. Wir teilen mehr Alltag miteinander als zuvor. Persönliches, auch Emotionen, Gedanken und Sorgen zu teilen wird bisher meist als unprofessionell gewertet und ist oft mit Scham besetzt. In Zeiten der Corona-Krise merken wir, dass sich etwas ändert. Oft beschäftigen uns ähnliche Fragen, Sorgen und Ängste. Niemand ist nur cool und gelassen in diesen Tagen. Dann könnten wir es doch auch teilen, oder?

Die Krise bietet uns die Möglichkeit, einen echten und nachhaltigen sozialen Wandel zu erleben und mitzugestalten. Statt der von uns so hoch geschätzten Individualität können wir eine außergewöhnliche Gemeinschaft leben. Eine Gemeinschaft, in der Teilen Entlastung und Gewinn ist. Teilen macht uns bewusst, dass es anderen ähnlich und manchmal sogar genauso geht wie uns selbst. Wir haben die Möglichkeit, gemeinsam Ideen zu entwickeln, Erfahrungen weiterzugeben und dadurch hilfreiche Impulse zu geben und zu nehmen – zu teilen eben.

Ein weiterer Gedanke, den ich aus diesem Podcast mitnehme: Wir haben es verlernt, unangenehme Emotionen zu teilen. Es ist vielleicht sogar tabu. Die gute Nachricht ist: Wir können es lernen! Genauso, wie wir all die neuen digitalen Tools und Anwendungen lernen können, gilt das auch für unseren Umgang miteinander. Wie fantastisch wäre es, wenn wir uns in eine Gemeinschaft verwandeln, die mehr miteinander teilt und dadurch eine besondere Verbindung entsteht! Dazu braucht es vor allem viel Mut. Und den wünsche ich uns!

Was teilen Menschen gerade mit dir? Und was teilst du mit ihnen?

Zurück

Blog via E-Mail abonnieren