Unternehmensziel: Den Planeten retten

von Yassin Mahr

Yvon Chouinard, Umweltaktivist, ehemaliger Kletterer, Surfer sowie Gründer von Patagonia verfolgt konsequent eine Mission – nämlich die Rettung unseres Planeten.

 

Die Liebe zur Natur als Ausgangspunkt allen unternehmerischen Handelns

„I only have this business, because I’m very pessimistic about the future. And I use this business as a resource to do something about our problems.“ Dieses Zitat von Chouinard verdeutlicht, worin der unternehmerische Antrieb von Patagonia begründet ist. Und die Liste, wie dies umgesetzt wird, ist lang.

Beispielsweise möchte Patagonia mit dem sogenannten „Worn Wear Programm“, dass Kleidung möglichst lange genutzt wird und bietet daher kostenlose Reparaturen an – egal von welchem Hersteller. Denn je länger Kleidung getragen wird, desto mehr wird die Umwelt geschont. Daher fertigt Patagonia Produkte aus möglichst nachhaltig erzeugten oder recycelten Stoffen und gewährleistet lebenslange Garantie. Auch das zeitlose Design, welches sich über die Jahre kaum verändert hat, soll dazu beitragen, dass die Kleidung lange getragen werden kann, ohne dass sie „aus der Mode“ kommt. Sogar Greenpeace lobt das gesamte Geschäftsmodell, welches auf Reparaturfähigkeit und Langlebigkeit ausgerichtet ist und bezeichnet Chouinard als „Treiber des Wandels“.

Zudem hatte Chouinard die Idee zur Gründung der Non-Profit-Organisation „One Percent for the Planet“, bei dem sich mit Mitglieder verpflichten, 1 % des Gesamtumsatzes oder 10 % des Gewinns an Umweltorganisationen zu spenden. Patagonia beteiligt sich selbst daran und spendet seit 1985 jährlich.

Und um die Unternehmensvision auch möglichst tatkräftig umzusetzen, hilft Patagonia sogar der Konkurrenz. Beispielsweise lud Patagonia die Konkurrenz ein, um einen biologisch abbaubaren Neoprenanzug zu präsentieren und zu ermutigen, die entwickelte Technologie selbst anzuwenden. Die Beispiele für nachhaltiges Unternehmertum lang und zieht sich durch die gesamte Supply-Chain.

 

Unternehmenskultur, Personalpolitik und Mitarbeiterführung

Umweltschutz wird bei Patagonia gelebt und ist somit Bestandteil der Personalprozesse des Unternehmens. “Whenever we have a job opening, all things being equal, hire the person who’s committed to saving the planet no matter what the job is”, sagte Chouinard in einem Interview mit dem Magazin „Fast Company“. Nur mit Mitarbeitern, die die Lebensphilosophie Chouinards teilen, konnte das Unternehmen an den Punk kommen, an dem es heute ist.

Daher wird den Mitarbeitern mit viel Flexibilität gewährleistet, deren Leidenschaft trotz Job nachzugehen. Möchten die Mitarbeiter klettern gehen, reiten, surfen oder Zeit mit ihren Kindern verbringen, ist das in Ordnung – solange die Arbeit erledigt wird. Außerdem können Mitarbeiter aus allen Bereichen des Unternehmens am „Environmental Internship Program“ teilnehmen und haben die Möglichkeit, sich zwei Monate lang an einem Umweltprojekt nach Wahl zu engagieren und ihren „normale“ Tätigkeit für diese Zeit an den Nagel hängen – und das bei gewohntem Gehalt.

Auch die flachen Hierarchien, welche eher ein Netzwerk zwischen allen Beschäftigten darstellen, kennzeichnen Patagonia. Klassische Hierarchiestufen gibt es nicht und Kommunikation findet auch direkt zwischen dem CEO und Berufseinsteigern statt – je nachdem, was geklärt oder erledigt werden muss. Im Umkehrschluss wird aber auch erwartet, dass jeder seine Meinung äußert und sich Herausforderungen stellt und diese offen anspricht, woraus etwas werden kann, dem sich das gesamte Unternehmen widmet. Laut Dean Carter, „Vice President of Human Resources and Shared Services“ bei Patagonia, kommen die besten Ideen ohnehin nicht von den Managern, „[…] they're from the person whose hands are dirty doing the real work. If one person's doing the work, you don't need their manager, their manager's manager, and so on, to get things done; you just need the right person.“ Aber um genau die richtigen Leute zu bekommen, lässt sich das Unternehmen Zeit. So kann es durchaus vorkommen, dass Stellen über ein Jahr lang nicht besetzt sind.

Es wird eben viel Wert auf das Individuum gelegt. Denn die Arbeit wird von den Mitarbeitern mit maximaler Autonomie ausgeführt, was jedoch voraussetzt, dass die Mitarbeiter auch möglichst unabhängig Arbeiten und die Vision des Unternehmens stets im Blick haben.

 

Patagonia als Weltverbesserer?

Nachhaltig produzierte Produkte, freiwilliges Umweltengagement, die Aufforderung zu weniger Konsum und das Anbieten eines Reparaturservices – und das Wachstum gibt dieser Art des Wirtschaftens recht. Seit 2010 hat sich der Umsatz von Patagonia verdoppelt, was irgendwie paradox ist, da zu weniger Konsum aufgefordert wird. Der Erfolg zeigt aber auch, dass diese Gemeinwohl-Ökonomie offensichtlich wirtschaftlich erfolgreich sein kann, den Nerv der Zeit trifft und dass Nachhaltigkeit, Transparenz und Qualität Attribute sind, die den Konsumenten zunehmend wichtig sind.

Aber auch die Art des Managements trägt zu dem Erfolg, den Patagonia zu verzeichnen hat, bei. Die gezielte Personalauswahl, die flachen Hierarchien, Flexibilität und die Stärkung des Individuum tragen dazu bei, dass sich alle bestmöglich einbringen und die gemeinsame Vision in die Tat umsetzen können.

 

„We are part of the nature and as we destroy nature we destroy ourselfs. It’s a selfish thing to wanna protect nature.“

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