Schrill, witzig, zeitgemäß – einhorn!

von Yassin

Das Berliner Start-up einhorn vereint vieles, was aktuell diskutiert wird und für die Wirtschaft von zunehmender Relevanz ist: Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen, Impact statt reiner Gewinnmaximierung, soziale Verantwortung und hierarchieloses, flexibles Arbeiten. Was es genau mit dem Unternehmen auf sich hat, das vegane Kondome und Periodenprodukte verkauft und Millionenumsätze erwirtschaftet, erfahren Sie in diesem Kurzportrait.

Photos by www.einhorn.my

 

Auffallen...

… das kann einhorn! Kondome und Periodenprodukte in kreativ und humorvoll gestalteten Verpackungen, Auftritte der Gründer Waldemar Zeiler und Philip Siefer in Einhornkostümen oder zuletzt die Bundestagspetition zur Senkung der Mehrwertsteuer auf Periodenprodukte – einhorn erregt Aufmerksamkeit und bleibt im Gedächtnis – und das nicht nur wegen ihres schrillen Images. Das Unternehmen engagiert sich politisch und hat die Vision, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Was sie eigentlich verkaufen, ist nach Aussage der Gründer sogar nebensächlich.

 

Der Fairstainability Ansatz

Mit dem Fairstainability Ansatz verfolgt einhorn das Ziel, die Herstellung ihrer Produkte so nachhaltig und fair wie möglich zu gestalten. Dabei achten sie nicht nur darauf, dass die Rohlinge als nachhaltig deklariert sind, sondern wirken bei deren Produktion selbst mit und setzen sich auf den Kautschukplantagen für faire Arbeitsbedingungen ein. Sie sehen sich in der Verantwortung, auch vorgelagerte Produktionsprozesse mitzugestalten – und gestehen sich ein, dass noch viel Luft nach oben ist.

Um langfristig das Maximum an Fairstainability rauszuholen, fließen 50 % der Unternehmensgewinne in die Fairstainability-Arbeit. So konnte beispielsweise der Lohn der Bäuerinnen und Bauern auf dem Kautschukplantagen um 15 % gesteigert werden. Ein weiterer Teil kommt CO2-Ausgleich zugute.

 

„Chefsein ist zum Kotzen“

Waldemar Zeiler war es leid, Chef zu sein. Alles, was mit dem Chefposten einherging, habe ihn gestört. Daher entschieden sich die beiden Gründer, dass das Unternehmen frei von Hierarchien und Regeln sein soll. Die beiden sind heute nur noch auf dem Papier Geschäftsführer.

Jeder Einzelne trägt somit ein großes Maß an Verantwortung für sich selbst und das Unternehmen, ähnlich wie bei Semco. Denn bei einhorn bestimmen die Mitarbeitenden selbst, wie viel und wann sie Urlaub nehmen, wo und wann sie arbeiten und wie hoch das Gehalt ausfällt, zumindest in einem gewissen Rahmen. Auch bei Entscheidungen, die das Unternehmen selbst betreffen, hat jeder Einzelne Mitspracherecht. Daher sollte jeder am Erfolg des Unternehmens interessiert sein und der Tätigkeit mit Leidenschaft nachgehen. Folglich wird bei der Personalauswahl genau darauf geachtet, wer zur Unternehmenskultur passt und hinter dem Konzept steht.

Laut Zeiler war die Umstellung auf das hierarchielose Arbeiten nicht einfach. Ein paar Mitarbeiter verließen das Unternehmen, aber inzwischen haben sich alle an die neuen Umstände gewöhnt und seien glücklich damit. Auch das Interesse anderer Unternehmen spricht dafür, dass einhorn einen gewissen Nerv getroffen hat. Regelmäßig kommen Besuchergruppen von Firmen wie Daimler, SAP oder McKinsey vorbei, um sich inspirieren zu lassen und auch ins Beratungsgeschäft ist einhorn bereits eingestiegen.

Photos by Verena Brandt, on www.einhorn.my

 

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