Qualität braucht Fehler!

von Silke

Photo by Bill Oxford on Unsplash

 

Taylor

Früher musste man kein Spezialist sein, um die Qualität eines Produktes zu beurteilen. Das Messer musste scharf, der Eimer dicht sein. Wer sein Handwerk verstand, produzierte gute Ware. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Herstellungsprozess immer weiter zerteilt und in Einzelschritte gegliedert. Nach dem Vordenker dieses Prozesses, Frederick Taylor, musste der Einzelne seine Tätigkeit nicht mehr verstehen, er musste sie lediglich verrichten – wie eine Maschine. Für die Qualität seiner Teile war der Einzelne nicht mehr zuständig.

 

Toyota

Ein einzelnes japanisches Unternehmen sollte dem Rest der Welt jedoch einige Jahrzehnte später vorführen, dass die Anzahl der Qualitätsauditoren kein Beweis für hohe Qualität, sondern eher für eine hohe Ausfallquote ist: Toyota. Toyota machte den Mitarbeiter wieder zum Qualitätsverantwortlichen. Bevor er ein halbwertiges Teil weitergab, konnte er mit einer Reißleine die gesamte Fertigung anhalten. Außerdem wurden die Mitarbeiter ermutigt, Verbesserungen anzuregen, sodass die Prozesse stetig optimiert wurden.

 

Today

Der Kunde verlangt alles auf einmal: Innovation und Image, Design und Perfektion, Originalität und Service. Und alles zum besten Preis. Die heutige Wissensgesellschaft fordert permanentes Nachdenken. Wer das unterlässt, ist fehler- und belanglos. Diesbezüglich leben wir in einer Zweiklassengesellschaft. Der noch kleinere Teil ist sich im Klaren darüber, dass ohne Versuch niemand klug wird. Diese Menschen bringen uns weiter. Der noch immer größere Teil hingegen versteckt sich hinter dem Wahn, dass Fehler und Irrtümer erst gar nicht entstehen dürfen und dass sie demnach selbst keine Fehler machen können.

 

To-do

Wo die Erkenntnisse aus Fehlern vernachlässigt werden, nicht darüber geredet wird, wo sich Fehler im System fortpflanzen können, weil sich die, die sie machen, vor Strafe und Nachteilen fürchten, lernt niemand was. Fehler und Irrtümer sind die natürlichen Wegmarken auf der Suche nach neuen Lösungen. Eine offene Fehlerkultur, Transparenz und der Wille zur Veränderung sind unerlässlich, wenn wir die Qualität weiter verbessern wollen. Um das so zu sehen, muss allerdings her, was der herrschenden Fehlerkultur unbekannt ist: Pragmatismus und Vernunft, die Freude am Lösen von Problemen, am Versuch, die Realität zu verstehen. Volkstümlich heißt das: Nachdenken.

 

Qualität braucht Fehler!

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