On being nice... Ein kleines Buch zu Freundlichkeit und Freundschaft

von Christoph

Wir von der Wertefabrik sind schon lange Fans der School of Life aus London und von dessen Gründer Alain de Botton. Mit seinen Texten schafft er es immer wieder, jahrhundertealte philosophische Weisheiten prägnant in die heutige Welt zu übersetzen. So auch diesmal wieder mit dem kleinen aber feinen Buch "Freundlichkeit - Eine vergessene Tugend" (im Original: On being nice).

In diesem Buch wird Freundlichkeit als positive Tugend beschrieben. Eine persönliche Tugend, die Wert stiftet, obwohl diese in unserer heutigen Gesellschaft ein "Imageproblem" hat. "Wer freundlich ist, ist schwach!", "Nett, aber langweilig!" oder "Nett, aber bankrott!" sind nur einige der Glaubenssätze, die uns aufgrund gesellschaftlicher Strömungen über Jahrzehnte geprägt haben. Daher kommt es, dass die Tugend der Freundlichkeit häufig missverstanden wird.

Auch Freundschaft wird im Text diskutiert und es wird gefragt, welchen Sinn Freundschaften überhaupt haben. Diese Frage ist nur ein Beispiel dafür, wie de Botton grundlegende Fragen nüchtern und dadurch in wohltuender Klarheit reflektiert und diskutiert. So habe ich beim Lesen gelernt, dass Freundschaften oftmals nicht funktionieren, weil sie keinen wirklichen Zweck für uns erfüllen. Das klingt erst einmal unromantisch und zu rational, ist für mich aber letztendlich logisch. Viele Versuche, Freundschaften aufrechtzuerhalten laufen schief und sind so mühselig, weil sich eben keiner die Mühe macht, sich ein klares Bild davon zu machen, wozu diese Freundschaft eigentlich dienen soll.

 

Das Buch in einem Satz

Eine Rundum-Betrachtung der Tugend der Freundlichkeit – Wie sie entsteht, welchen Wert sie stiftet und wie sie ganz praktisch im Alltag freundlicher zu ihren Mitmenschen sein können.

 

Die drei besten Zitate

  • Wir müssen uns mit dem Risiko aussöhnen, uns auch mal keine Freunde zu machen, wenn wir wirklich Freunde finden wollen.
  • Oft braucht ein Mensch nichts Raffinierteres oder Erhabeneres als bloß ein Käsebrot, ein Glas Milch und eine ordentliche Umarmung.
  • Freundschaft beginnt und Einsamkeit endet, wenn wir unsere Versuche unterlassen, andere Menschen beeindrucken zu wollen; wenn wir den Mut haben, einen Schritt aus uns heraus ins Unsichere zu wagen und es riskieren, kurz ein wenig lächerlich zu wirken.

 

Meine drei "Key-Learnings"

Schon Aristoteles hielt es für sehr wichtig, dass Menschen regelmäßig Tragödien anschauten, um ihrem Hang zum Verurteilen und zum Moralisieren entgegenzuwirken. Die Botschaft darin: Wir alle können schnell untergehen, wenn wir vom Schicksal geprüft werden. Freundliche Menschen wissen, dass jede Stärke eines Individuums gleichzeitig eine Schwäche in sich birgt, die ihr von Natur aus zugehörig ist. Sie ist nur die andere Seite der gleichen Medaille. Freundlich sein heißt: Nicht beurteilen oder bewerten.

Liebevolles Necken gehört dazu und ist gar nicht so leicht! Jemand, der gut necken kann, begreift und reagiert auf eine Schieflache und versucht mit uns darüber zu lachen. Wir spüren, dass derjenige, der uns neckt, uns einen nützlichen Schubs geben will.

Über sich selbst sprechen mit dem Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit und Verwundbarkeit bildet den Boden für gute, freundliche Gespräche und macht den Gesprächspartnern Mut. Damit sichert man sich das Wohlwollen seiner Mitmenschen.

 

Wem würde ich es empfehlen?

Das Buch ist perfekt für diejenigen, die dazu neigen, andere stark zu beurteilen oder sich ständig von anderen beurteilt fühlen. Es ist ein brückenbildender Ratschlag, wie man gleichzeitig selbstbewusst und sozialkompetent sein kann.

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