Liebe Gastgeber,

von Silke Otto

Gastfreundschaft ist eines der ältesten menschlichen Kulturgüter überhaupt, da sie unser Verhältnis zum Fremden regelt. Jede Gruppierung, Gesellschaft, Organisation, ja jede Nation erweist die Höhe ihrer Kultur am Grad, in dem sie bereit und fähig ist, das Andere, das Fremde, den Anderen, den Fremden aufzunehmen, sein Anderssein, seine Fremdheit, ja gerade auch sein Nichtverständliches zu respektieren.

Kings und Queens der Gastfreundschaft

Reist man durch England, hat man das Gefühl, das ganze Land besteht aus B&Bs. Die Menschen dort bieten ein Bett und ein Frühstück und laden den Reisenden ein, ein wenig an ihrem Leben teilzuhaben. Eine wundervolle Erfindung. Da gibt es die Künstlerin in St. Ives, deren Mann jeden Morgen das Frühstück bereitet, eine Familie aus London, die eine alte Farm in Devon gekauft hat und zwischen Schafen und Hühnern auch Gästen eine schöne Zeit bereiten will, oder die Heilpraktikerin aus Lamorna in Cornwall, die neben einem gemütlichen Zimmer auch noch beste Tipps und heilende Behandlungen bietet. Alles ist möglich. Alles ist zu finden. Es ist eine der schönsten Formen von Gastfreundschaft, die man erleben kann.

Offen für das Fremde

Wenn wir sagen, jede Gruppierung, ja sogar jede Organisation zeigt die Reife ihrer Kultur durch die Form, wie mit dem Fremden umgegangen wird, was bedeutet das also für Unternehmen? Was sagt es über die Kultur in einem Unternehmen aus, wie mit neuen „fremden“ Mitarbeitenden umgegangen wird? Wie sehen wir „den Mitarbeitenden“ in einem Unternehmen? Ist er ein Gast? Ein Familienmitglied? Wenn wir sagen, er ist ein Gast, der uns für eine Weile besucht – der eine bleibt länger, der andere geht früher – wie wollen wir als Gastgeber agieren?

Wie geht Gastfreundschaft?

Wenn ich in England bin und in einem B&B absteige, dann sieht oft die Eingangstür des Hauses schon wunderschön aus. Meist eingerahmt von Blumen und einem Willkommensgruß auf einem Holzschild. Die Gastgeber sorgen dafür, dass ich mich direkt im Haus zurecht finde und fragen mich meist nach meinen Bedürfnissen. Wann möchtest Du aufstehen? Wann ist Deine Zeit? Wie magst Du Dein Frühstück? Sie beschreiben mir, wo ich was im Haus finde und die umliegende Gegend, damit ich mich gut zurecht finde. Sie erzählen etwas über sich, stellen aber auch direkt Fragen zu mir. Wo kommst Du her? Was hat Dich hierher gebracht? Wir kommen gut ins Gespräch, tauschen uns aus, sind neugierig aufeinander. Bei der Abreise danken wir uns oft gegenseitig, ich sage Danke für die Gastfreundschaft und meine Gastgeber bedanken sich für meine Offenheit, zu ihnen zu kommen und Zeit in ihrem Heim zu verbringen.

In B&Bs habe ich auch immer Lust, etwas im Gästebuch zu hinterlassen. Was steht im Gästebuch Ihres Unternehmens?

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