Endlich mal Dampf ablassen!

von Yassin

Es kann sehr befreiend sein, offen und ehrlich anzusprechen, was einen am anderen stört. Vor allem, wenn das Gegenüber mit Verständnis darauf reagiert. Stauen sich jedoch die negativen Gefühle an, ist es keine gute Idee, es einfach unausgesprochen zu lassen oder darauf zu warten, bis der Groll unkontrolliert aus einem herausplatzt. Dazu kommt, dass es den meisten Menschen wohl leichter fallen dürfte, derartige Gespräche mit Familienmitgliedern, Freunden oder dem Partner zu führen als mit Leuten im Arbeitsumfeld.

Bei einem „Clear the Air“-Meeting kann der richtige Rahmen geschaffen werden, um auch unter den Kollegen mal „Dampf abzulassen“. Diese Methode lässt sich dem Konzept „Gewaltfreie Kommunikation“, kurz GFK, zuordnen. Es wurde von dem US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt und soll dabei helfen, wertschätzende zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und so die Kommunikation friedlicher zu gestalten, was zu einem besseren Miteinander führen soll.

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

 

Regeln und Ablauf des „Clear the Air“-Meetings

Jeder aus einem Team oder einer Abteilung kann am „Clear the Air“-Meeting teilnehmen. Um sich bestmöglich auf diese Situation einlassen zu können, werden Ablenkungsquellen wie Smartphones und Computer abgeschaltet und die Tür bleibt geschlossen. Das Meeting umfasst vier Runden und es gibt eine Moderation. Eine der wichtigsten Regeln ist, dass nicht unterbrochen oder kommentiert wird, wenn jemand spricht. Jedem soll die Zeit gegeben werden, die gebraucht wird, um das Anliegen in Ruhe auszuformulieren. Die Gruppe soll den Standpunkt verstehen und sich in die Person hineinfühlen können.

  • Runde 1 - auch Check-In genannt: Jeder Einzelne erzählt von sich, was gerade so los ist und wie man sich allgemein fühlt. Positive und negative Dinge aus dem Beruf oder Privatleben können mit der Gruppe geteilt werden.
  • Runde 2: Hier hat jeder die Gelegenheit offen anzusprechen, falls es Konflikte mit anderen im Raum gibt (kann einen, mehrere oder das ganze Team betreffen). Nachdem jemand seinen Standpunkt geäußert hat, gibt die Person, die angesprochen ist, in eigenen Worten wieder, wie sie den Standpunkt verstanden hat. So kann sichergestellt werden, dass der Standpunkt richtig verstanden wurde. Danach hat die angesprochene Person die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Auch Kleinigkeiten können angesprochen werden. Vieles kann dann schon direkt im Meeting geklärt werden. Für Konflikte, die sich nicht direkt lösen lassen, sollten gesonderte Meetings vereinbart werden.
  • Runde 3: In der Wertschätzungsrunde hat jeder die Möglichkeit zu sagen, wofür man anderen Personen im Raum dankbar ist.
  • Runde 4: In der Check-Out-Runde kann jeder ansprechen, wie es einem nach dem Meeting geht und wie sich das Meeting für einen selbst angefühlt hat.

 

Wo sind die Grenzen?

Natürlich kann der Schuss mit einem „Clear the Air“-Meeting auch nach hinten los gehen. Um das zu verhindern, sollten die Teilnehmenden in GFK nicht völlig unerfahren sein. Es ist auch von Vorteil, wenn unter den Teilnehmenden bereits eine gewisse Vertrauensbasis besteht.

Können sich die Teilnehmer auf die Prämisse einlassen, die auch viel Einfühlungsvermögen verlangt, ist das „Clear the Air“-Meeting ein geeignetes Tool, um auch bei der Arbeit mal „Dampf abzulassen“.

 

Quellen:

Beitrag zu GFK bei soulbottles (Link)

fairstainable auf Instagram (Link)

 

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