Else Lasker-Schüler

von Yassin

Sie führte ein selbstbestimmtes, mit den Konventionen der damaligen Zeit brechendes Leben. Die deutsch-jüdische Lyrikerin und Zeichnerin Else Lasker-Schüler, geboren 1869 in Wuppertal-Elberfeld, schuf fantasievolle Welten als Gegenentwurf zu ihrer rauen Lebenswirklichkeit.

© gemeinfrei

 

Realität und Fiktion

In ihren selbst kreierten, oft orientalischen Welten schlüpft sie in die Rolle der Tino von Bagdad, einer ägyptischen Prinzessin oder in die der prophetengleichen Figur des Jussuf, Prinz von Theben, ihrer imaginären Traumstadt. Die Expressionistin lässt Wirklichkeit und Fantasie ineinander verschwimmen: „In Elberfeld an der Wupper geboren, in Gedanken im Himmel, betreue ich die Stadt Theben und bin ihr Prinz Jussuf.“

Die Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt und Erinnerungen an ihre wohl schöne Kindheit lässt sie in ihre Werke einfließen. Sie wuchs recht wohlbehütet auf, war die Tochter eines Bankiers und galt als Wunderkind. Else Lasker-Schülers Dasein und Werk ist aber auch von einer Vielzahl an Schicksalsschlägen, einem turbulenten Liebesleben, ihrer Religiosität und dem Nationalsozialismus geprägt.

 

Liebe, Rückschläge und Verfolgung

Bereits in ihrer Jugend war sie antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Früh starben ihr Bruder, ihre Mutter und ihr Vater. Mit 25 schloss sie ihre erste Ehe und zog gemeinsam mit ihrem Mann, einem Arzt aus Elberfeld, nach Berlin. 1899 kam ihr unehelicher Sohn Paul, der Name des Vaters ist nicht bekannt, zur Welt. 1903 ließ sie sich scheiden und gab damit ihr sicheres, bürgerliches Leben auf. Noch im selben Jahr heiratete sie den 10 Jahre jüngeren Komponist Herwarth Walden. Auch diese Ehe scheiterte einige Jahre später. Als alleinerziehende Mutter lebte sie häufig am Rande des Existenzminimums.

Else Lasker-Schüler war eine treibende Kraft des Expressionismus und mit der Kunstszene stark vernetzt. Zu Franz Marc pflegte sie eine innige Freundschaft – und war erschüttert über dessen Tod bei der Schlacht um Verdun im ersten Weltkrieg. Auch weitere ihrer engsten Freunde fielen.

Einige Jahre, bevor sie aufgrund des Nationalsozialismus in die Schweiz fliehen musste, starb ihr Sohn Paul im Alter von 28 Jahren an einer Lungentuberkulose. Ihre Kunst wurde von den Nazis beschlagnahmt, bis sie schließlich kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs „ausgebürgert“ wurde und somit die deutsche Staatsbürgerschaft verlor.

Von der Schweiz aus ist sie nach Ägypten und insgesamt dreimal nach Palästina gereist. Von ihrer letzten Reise ist sie nicht mehr zurückgekehrt. 1945 starb Else Lasker-Schüler und wurde auf dem Ölberg in Jerusalem beigesetzt.

 

Selbstbestimmung, Haltung und Sehnsüchte

Else Lasker-Schüler fiel auf. Durch ihr selbstbewusstes, exzentrisches Auftreten konnte sie die Blicke auf sich ziehen – und eckte durchaus an. Die dunklen Haare trug sie kurz, dazu auffallend bunte Kleidung und viel unechter Kunstschmuck. Ihr offener Umgang mit ihrem für die damalige Zeit unkonventionellen Lebensstil erforderte Mut.

Auch sonst bewies sie Haltung: Sie sprach sich öffentlich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und das Abtreibungsverbot aus. Sie sah sich selbst als Pazifistin und hat ihre Einstellung in politischen Kreisen vertreten. Auch wünschte sie sich die Versöhnung von Juden, Christen und Moslems.

Durch die Kunst lebte Else Lasker-Schüler ihre Sehnsucht nach einem besseren Leben aus. Sie schuf ihre eigenen, fantasievollen und mystischen Welten, in die man regelrecht abtauchen kann.

 

„Der Mensch, das sonderbare Wesen: mit den Füßen im Schlamm, mit dem Kopf in den Sternen.“

Else Lasker-Schüler

 

 

Quellen:

Else Lasker-Schüler: Der Prinz von Theben

WZ: Sonderveröffentlichung zur Else Lasker-Schüler Ausstellung im Von der Heydt-Museum Wuppertal

Von der Heydt-Museum Wuppertal: Texte zur Ausstellung „Else Lasker-Schüler, „Prinz Jussuf von Theben“ und die Avantgarde“

NDR Kultur: Große Lyrikerin mit positivem Weltbild (Link)

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