Mach Dein Ding!

von Luisa Vaerst

Denken wir an Philosophie, kommen uns meist alte Gemälde von Männern mit weißen Haaren und Bärten in den Sinn. Die Philosophie erscheint uns als verstaubt, überholt und – zumindest mir – als eine komplizierte Geisteswissenschaft (ich musste damals in der Schule über Platons Höhlengleichnis ein Kurzreferat halten und habe es ehrlich gesagt bis heute nicht verstanden). In der Wertefabrik geben wir uns allerdings nicht so leicht geschlagen. Es wird täglich inspiriert, gelernt und versucht zu verstehen. Also reichte auch ich der Philosophie freundschaftlich die Hand und versprach, sie näher kennen zu lernen.

Lernreisen lohnen sich.

Auf meiner philosophischen Lernreise kam ich an einem großen, wenn nicht sogar dem größten Philosophen nicht vorbei: Immanuel Kant. Kant prägte mit seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft“ die Epoche der Aufklärung wie kein Zweiter. Als ich den Inhalt dieses Brockens zum ersten Mal grob überflogen hatte, war ich kurz davor meine Freundschaftsanfrage an die Philosophie wieder zurückzunehmen - doch ich dachte mir, Luisa, gib dir einen Ruck. Vielleicht ist es Liebe auf den zweiten Blick. Und das war es dann letztendlich auch.
Im Grunde geht es in der „Kritik der reinen Vernunft“ um die Erkenntnis, dass der Mensch als ein vernunftbasiertes Wesen selbstbestimmt durch die Welt schreitet. Nicht die Götter, sondern wir selbst treffen logische (oder manchmal unlogische) Entscheidungen und handeln frei nach unserem individuellen Willen, anstatt uns von Trieben leiten zu lassen. Zudem streben wir nach Sittlichkeit – unser Leben soll in ethisch korrekten Bahnen verlaufen. Kant betont allerdings auch, dass das Leben nicht immer korrekt verlaufen kann, deshalb müssen wir auch lernen, mit Rückschlägen umzugehen.

Mach Dein Ding!

Kants Leitformel lautet "sapere aude", habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Tu nicht, was die anderen wollen, mach dein eigenes Ding. Ist das nicht total faszinierend, dass ein so altes Schriftstück von einem Philosophen, der vor über 200 Jahren gelebt hat, heute noch genauso seine Gültigkeit hat, wie damals? Die Seiten mögen vergilbt sein, doch der Inhalt ist es keineswegs.

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