Liebe Gefolgschaft,

von WERTEFABRIK

eigene, freie Entscheidungen treffen. Selbst entscheiden, was zuerst und was zuletzt getan wird. Die eigene Meinung ohne Angst vertreten und ausdrücken können. Nach seinen individuellen Gefühlen zu handeln statt diese zu unterdrücken – dies macht Autonomie aus.

Wir Menschen streben nach Autonomie ab dem Zeitpunkt an dem wir auf die Welt kommen. Nicht umsonst durchleben Kleinkinder eine Trotzphase und Teenager die Pubertät – sie wollen sich ausprobieren, ihre Grenzen testen, ihren Gefühlen folgen und ihren eigenen Weg gehen. Eine Spur hinterlassen, wo vorher keine war. Komischerweise hört diese Trotzphase irgendwann auf. Wir werden reifer, erwachsener und lernen von der Gesellschaft, uns anzupassen, um weiter- und nach vorn zukommen. Unsere Gefühle spielen keine große Rolle mehr – das einzige Gefühl, dass wichtig scheint, ist das Verbundenheitsgefühl zu den Menschen, die etwas zu sagen haben: Wir studieren Jura und verzichten auf unseren Traumberuf, weil unsere Eltern Anwälte sind und wir schon von klein auf gehört haben, dass das Juristenblut durch unsere Venen fließt. In unseren Hausarbeiten an der Universität schreiben wir nicht das, was wir wirklich denken, sondern das, von dem wir wissen, dass der Professor es hören will. Und später im Job machen wir das, was wir von oben gesagt bekommen. Würden wir dort unsere eigene Meinung vertreten, bekommt eben ein anderer die Gehaltserhöhung oder die lang ersehnte Beförderung.

Wieviel Autonomie gibt es im Beruf?

Orientierung zu dieser Frage gibt uns Aufklärer Immanuel Kant, der das Zeitalter der Autonomie mit dem Leitsatz „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ beschrieb. Mutig sollen wir also sein. Das allerdings sagt sich so leicht, wenn wir gelernt haben, uns in der Fremdbestimmung der Organisation einzurichten. Zu entscheiden, wie man leben und arbeiten will, ist eben anstrengend. Dabei helfen würden auf jeden Fall Führungskräfte ohne Kontrollwahn, dafür mit Zutrauen in die Fähigkeiten anderer. Die Freiheit der anderen wird so zur eigenen Freiheit. Verantwortung lassen, die in Autonomie mündet, entlastet eben auch. Die Botschaft dahinter: „Du kriegst es auf deine Art hin – und nicht auf meine.“ Man versucht es erst mal selbst, und nur, wenn dieses Vorhaben scheitert, bemüht man die nächsthöhere Ebene. Eigentlich ganz einfach.

Die Verantwortung für Autonomie nun aber reflexartig auf die Führungskräfte zu verlagern würde das Thema jedoch gründlich verfehlen. Autonomie kann jeder. Hier ein kleiner Mutmacher von Peter McWilliams:

„Go your own way. Live your own life. If you walk alone for a while, fine. If you don’t like what’s going on somewhere, leave. Maintain a portable paradise within yourself.”

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