Liebe Arbeitgeber

von WERTEFABRIK

es ist wirklich eine Schande! Sah doch alles so gut für Euch aus. Vor gerade mal 15 Jahren wart Ihr die Favoriten von uns Absolventen. Ihr wart der Hauptgewinn, für den wir hart gearbeitet haben. Unser Top-Abschluss einer Top-Universität führte nahtlos zu der exklusiven Chance eines Trainee-Einstiegs in Euren heiligen, verglasten Hallen.

"Komm' zu uns und verändere die Welt!

Bei uns bekommst Du die besten Entwicklungschancen die Du Dir vorstellen kannst!" rieft Ihr uns von einem modernen und ausladenden Messestand auf einer der Absolventenbörsen zu. Wir kamen. Wir waren begeistert. Wir wollten die Welt verändern. OK, die Arbeitszeiten waren lang, aber das wussten wir vorher. Ihr hattet uns auch vorher gewarnt, dass die jährlichen performance-reviews hart sein würden und wir sahen ein, dass wir unsere Wochenendpläne aufgrund der knappen Deadlines regelmäßig umstellen mussten. Wir waren eben "Teamplayer". Die Konkurrenz würde groß werden, aber das nahmen wir in Kauf denn schließlich wollten wir zu den Besten gehören.

Aber da war dieses eine Gefühl auf dass wir nicht vorbereitet waren.

Davor hattet Ihr uns nicht gewarnt. Dieses quälende Gefühl, dass die Arbeit keinen Sinn stiftet. Klar hatten wir Einfluss: Wir halfen dabei, globale Finanzinstitutionen noch reicher zu machen, ungesunde Nahrungsmittel besser an Frau, Mann und Kind zu bringen oder unserem Boss lächelnd PowerPoint-Präsentationen anzufertigen, die nie jemand zu Gesicht bekommen sollte. In zähen Diskussionen formulierten wir Stellenbeschreibungen, die zwei Monate später schon alt waren und auch keinen interessierten. Wir saßen unzählige Stunden in Meetings und sprachen über Zahlen, die irgendwelche politischen Entscheidungen rechtfertigen sollten.

Dies alles nahmen wir Euch schnell übel und warfen Euch so Einiges vor: Die Arbeit, die wir ausübten, den Lebensstil, den Ihr uns aufgezwungen hattet und die Kultur in der wir uns nun wiederfanden. Eine erfüllende Karriere war dies jedenfalls nicht. Wir kündigten unsere gut bezahlten Jobs und machten uns auf die Suche nach guter Arbeit.

Auf dieser Reise stellen wir fest, dass wir nicht alleine sind und das die Möglichkeiten so gut wie nie zuvor sind:

1. Niemals zuvor war es leichter und einfacher, ein Unternehmen zu starten:

Eine professionelle Website ist heute gratis, Designerplattformen entwerfen für kleines Geld ein Logo, Gründercoachings gibt es in jeder Stadt, crowdfunding ermöglicht Anschaffungen und Investitionen.

2. Der Markt gehört den Arbeitnehmern:

Jeder kann heute seine professionellen Kompetenzen auf globalen Marktplätzen darstellen und diese sind dank des demografischen Wandels so begehrt wie nie zuvor.

3. Die örtliche Unabhängigkeit:

Ob vom Strand auf Bali oder aus einem Bauernhof in der Toskana. Arbeiten kann man heute von überall. Kein Mensch muss sich heute noch morgens in den Stau stellen um dann 10 Stunden in einem verglasten Bürogebäude in einem Gewerbegebiet zu verbringen.

4. Social Media befeuert die Erwartungshaltungen:

Durch facebook, instagram und Co. erhalten wir täglich Einblicke in die schönen, interessanten Lebensentwürfe unserer Mitmenschen. Jedes Abenteuer, jeder nette Moment wird durch trickreiche Filterfunktionen noch schöner dargestellt. Dies steigert die Erwartungshaltungen an den eigenen Alltag, und macht zeitgleich die Alternativen für andere Lebensentwürfe immer attraktiver.

Liebe Arbeitgeber, wie geht es also weiter für Euch?

Ihr könntet Euro Büros so ausstatten wie es die hippen start-ups in Berlin tun. Mit Billardtischen und so. Oder freie, gesunde Sandwiches zur Mittagspause anbieten. Oder jede Menge Trainings in Eurer Akademie, die den Alltag etwas erträglicher machen. Ein Feelgood-Manager könnte dieses Wohlfühlprogramm verwalten.

Oder Ihr kümmert Euch um echt GUTE ARBEIT.

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